02.09.2020 - Revolution oder Evolution ?

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Die Digitalisierung durchdringt die Wirtschaft und Gesellschaft in zunehmendem Masse und mit einer kaum je da gewesenen Geschwindigkeit. Dabei erinnern die mit diesem Umbruch einhergehenden Veränderungen in Wirtschafts- und Arbeitswelt, in Öffentlichkeit, Politik und Privatleben an die industrielle Revolution vor 200 Jahren. Deshalb ist oft die Rede von einer vierten industriellen Revolution oder eben von der digitalen Revolution.

 

< DIGITALE REVOLUTION >

Betrachten wir die Basistechnologien1 der Digitalisierung genauer, können wir durchaus eine exponentielle Beschleunigung der Technologie-Durchdringungsrate feststellen (siehe Abbildung). «Vergleicht man unter diesem Aspekt etwa die Auswirkungen der Elektrizität mit jenen der Informationstechnologien, so zeigt sich, dass die Erfindungen der Informationstechnologien radikaler und durchdringender sind, als es jene der Elektrizität waren.» (SBFI, 2017)
 

Marktdurchdringung von Technologien. Aus «Herausforderungen der Digitalisierung für Bildung und Forschung in der Schweiz» (SBFI, 2017)

Marktdurchdringung von Technologien, aus «Herausforderungen der Digitalisierung für Bildung und Forschung in der Schweiz» (SBFI, 2017)


Tatsächlich erscheint es uns häufig, als würde in der digitalen Welt alles mit einer riesigen Geschwindigkeit ablaufen. So hat das Smartphone gerade einmal 10 Jahre nach seiner Erfindung gebraucht, um von der Hälfte der Menschheit genutzt zu werden. Amazon kündigt von der Drohne über eigene Filialen bis hin zum Fire-TV immer neue Patente und Services an. Facebook vernetzt mittlerweile knapp einen Drittel der Menschheit.

Die Adoption von Basistechnologien erfolgt mit zunehmender Geschwindigkeit, wobei sich aus der Kombination von Technologien ebenfalls neue Technologiefelder, Innovationen und Geschäftsmodelle ergeben. Betrachten Sie dazu einmal exemplarisch die Entwicklung der Smart Watches, die noch viel mehr in den Gesundheitsbereich vordringen werden. Vor diesem Hintergrund dürfte die Phase des Einsatzes und der Weiterentwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien wohl gerade erst begonnen haben. 

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten und wird alle Lebens- und Arbeitsbereiche zunehmend durchdringen. So wie die Fließbandarbeit für Menschen vor 120 Jahren zum Alltag gehörte und bei uns nur noch ein ungläubiges Kopfschütteln auslöste, so werden auch in weiteren hundert Jahren die Menschen den Kopf schütteln, wenn sie sich vorstellen, wie wir bisher gearbeitet haben.

 

Evolution vs. Revolution im Arbeitsalltag

Orientieren wir uns an kleinen und mittelständischen Betrieben, finden wir dennoch eher evolutionäre Prozesse als eine disruptive Revolution – die Coronakrise ausgenommen. Unsere Lebens- und Arbeitswelt verändert sich ebenfalls kontinuierlich und nicht sprunghaft. So schaffen sich immer mehr Menschen einen Smart TV an. Doch von einer Welt der Smart Homes, in der jeder in einem vernetzten Haushalt lebt, sind wir noch weit entfernt. KMU schaffen in der Regel auch nicht von heute auf morgen neue Technologien an. Viele verfolgen kein digitales Konzept, sondern probieren zunächst einmal Einzelmaßnahmen aus, um zu testen, welche Digitalisierungsmassnahmen für das eigene Unternehmen von Vorteil sind. (Vgl. digital-magazin.de, 2019). 

Dieses iterative Vorgehen macht Sinn. Nicht umsonst kommen in den letzten Jahren immer mehr Firmen zum Schluss, dass eine Umstellung zu agilen Vorgehensweisen (z.B. SCRUM / SAFe) für sie zum Erfolgsfaktor werden. Entsprechend gross ist die Nachfrage nach solchen Weiterbildungen und gut ausgebildeten und erfahrenen Fachleuten, welche agile Techniken erfolgreich einsetzen können.

Um die Digitalisierung für sich nutzbar zu machen, braucht man also einen langen Atem. Die  digitale Transformation ist für Unternehmen jeder Grösse strategisch relevant. Wichtig dabei ist, dass wir an dieser Entwicklung partizipieren und uns nicht von ihr überrollen lassen. Es empfiehlt sich, deine digitale Strategie als wichtiger funktionaler Bestandteil in die Unternehmensstrategie einfliessen zu lassen und daraus ableitend die notwendigen digitalen Kompetenzen zu erlangen. Die Unternehmensstrategie jedoch setzt idealerweise beim Bewährten an und baut kontinuierlich darauf auf – Schritt für Schritt im Sinne einer agilen, iterativen Strategieentwicklung und -umsetzung.

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Buchtipp: «Organisation in einer digitalen Zeit». Ein Buch für die Gestaltung von reaktionsfähigen und schlanken Organisationen mit Hilfe von skalierten Agile & Lean Mustern. (Malte Foegen & Christian Kaczmarek, 2016, ISBN 978-3-9815837-8-6)

 

1 Die technische Basis der Digitalisierung bilden die «Digitalisierungstechnologien»: Dieser Begriff umschreibt alle neuen Technologien aus der dabei Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sowie leistungsfähigere Computer und Netzinfrastrukturen.

 

 

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